30. Mai 2017 admin

Geschäftsetikette in Südafrika

Südafrika liegt an der südlichen Spitze des afrikanischen Kontinents. Im Land leben mehr als fünfundfünfzig Millionen Menschen, die elf verschiedene Landessprachen sprechen. Die Geschäftspraxis ähnelt dem westlichen Gebaren stark, die kulturellen Gepflogenheiten können jedoch von Gegend zu Gegend unterschiedlich sein. Fast zehn Prozent aller Südafrikaner sprechen Englisch als Muttersprache, und nahezu alle geschäftlichen Angelegenheiten werden in dieser Sprache abgewickelt.

 

Die Vorstellung

Sie sollten stets pünktlich zu einem Meeting erscheinen und Ihre Verabredung am vorherigen Tag nochmals bestätigen. Bei dieser Gelegenheit kann geklärt werden, wann das Meeting beginnt und wie lange es dauern wird. Falls die Anwesenheit eines höhergestellten Mitarbeiters, wie beispielsweise einem Direktor, erforderlich ist, so sollte dies normalerweise mit einiger Vorlaufzeit organisiert werden, um dessen Teilnahme sicherzustellen. Zwischen Mitte Dezember und Anfang Januar ist es schwierig, eine Gelegenheit für ein geschäftliches Treffen zu bekommen, denn dann beginnt die Haupturlaubszeit. Auch die Osterzeit kann in dieser Beziehung problematisch sein. Es wird Wert auf konservative Bekleidung gelegt – auch wenn die Geschäftskleidung nicht mehr ganz so formal ausfällt wie früher, denken Sie bitte daran, dass ein guter erster Eindruck Respekt signalisiert.

Meist wird die Vorstellung zwischen Fremden durch einen Händedruck eingeleitet. Es ist aber sinnvoll, abzuwarten, wie der Gastgeber bei der Begrüßung vorgeht, da einige Bevölkerungsgruppen andere Willkommensgesten verwenden. Frauen ziehen es manchmal vor, ganz auf den Händedruck zu verzichten und zur Begrüßung lediglich mit dem Kopf zu nicken. Warten Sie am besten, ob man Ihnen die Hand entgegenstreckt – so vermeiden Sie Peinlichkeiten.

Der Austausch von Visitenkarten ist allgemein üblich, es ist aber nicht festgelegt, wie und wann dies geschehen sollte. Ähnlich wie auch in westlichen Ländern sollten Namen und Titel von Anfang an verwendet werden. Die Anfangsphase eines Meetings dient dazu, Vertrauen in die Zusammenarbeit aufzubauen und eine Beziehung zwischen den beiden Parteien zu schaffen.

Das Meeting

Die Diskussion zielt häufig darauf ab, zu einem gegenseitigen Einverständnis zu kommen und ein positives Ergebnis für alle Beteiligten zu erzielen. Das erste Treffen erlaubt dem Gastgeber zu prüfen, ob sein Gast für die Zusammenarbeit geeignet ist und ob sein Wesen ihm erlaubt, seine Rolle in angenehmer Weise und ohne Konfrontationen zu erfüllen. Nach weiteren Treffen sollte der Gast stets in einem Schreiben die besprochenen Punkte und die bei den wichtigsten Punkten erzielten Fortschritte bestätigen.

Die Unterhaltung sollte ruhig und klar geführt werden und nicht unterbrochen werden, und finanzielle Verhandlungen sollten sachlich verlaufen – Streitereien über Preise haben hier nichts zu suchen! Fristen werden nicht unbedingt festgelegt und wenn, dann handelt es sich hier eher um Vorschläge als um verbindliche Termine. Geschäftsabschlüsse kommen häufig nur langsam zustande, denn vor einer Entscheidung bedarf es umfangreicher Diskussionen zwischen der Geschäftsführung und den nachfolgenden Ebenen. Die südafrikanische Unternehmenskultur ist auch heute noch stark von Hierarchien und Altersstrukturen geprägt. Internationale Arbeitsprozesse haben jedoch in jüngerer Zeit Einfluss auf die alte Infrastruktur genommen und die stärkere Globalisierung der Arbeitsweisen zeigt sich dadurch, dass Entscheidungen in niedrigeren Ebenen der Geschäftsführung getroffen werden.

Augenkontakt baut Vertrauen auf und ein gewisses Maß an Humor kann helfen, eine formelle Atmosphäre zu entspannen und zu einer angenehmen und professionellen Zusammenarbeit beitragen. Betonung und Körpersprache sollten Ruhe und Professionalität ausdrücken. Aggressive Verkaufsmethoden sind nicht angemessen, hier ist eher Geduld gefragt. Es kann vorkommen, dass der Gastgeber sich höchst diplomatisch verhält und auch dann nicht widerspricht, wenn er eigentlich nicht mit dem Gesagten einverstanden ist. Damit möchte er verhindern, seinen Gast zu beleidigen – allerdings kann es dann geschehen, dass er im weiteren Verlauf der Unterhaltung plötzlich eine andere Meinung vertritt. Auf Geschäftsjargon können Sie in Südafrika gerne verzichten und stattdessen in klaren und einfacheren Sätzen ein besseres Verständnis fördern – das wird hier nicht als Desinteresse an der Verhandlung gewertet, sondern hilft den Gesprächspartnern dabei, ohne Verwirrungen zu einer Einigung zu kommen.

Geschenke und Geschäftsessen

Geschäftsessen sind in Südafrika durchaus normal, egal zu welcher Tageszeit. Die Unterhaltung wird sich um geschäftliche Angelegenheiten drehen, wenn auch echte Verhandlungen in formellerer Umgebung stattfinden. Die Verhaltensregeln für ein geschäftliches Abendessen sind den westlichen Gewohnheiten stark angepasst, die Atmosphäre ist sehr entspannt. Einige Nahrungsmittel wie gegrilltes Fleisch erfordern beim Verzehr den Einsatz der Hände und in ländlichen Gegenden gelten auch Eintopf und „Mealie Pap“, der traditionelle Maisbrei, als geeignetes Fingerfood. Im ländlichen Südafrika sollten Sie stets die rechte Hand zum Essen benutzen, weil die Linke als die Hand gilt, mit der die Arbeit verrichtet wird und die daher schmutzig ist.

Der Austausch von Geschenken in Geschäftskreisen ist unüblich; falls Sie also Ihrem Geschäftspartner etwas schenken möchten, sollten Sie äußerst vorsichtig vorgehen, damit Ihnen dies nicht als Bestechungsversuch ausgelegt wird. Unter bestimmten Umständen können Geschenke gemacht werden, dann sollten diese auch angenommen werden, um den Schenkenden nicht zu beleidigen. Eine solche Gelegenheit könnte eine Einladung zum Abendessen sein, bei der eine Flasche Wein, Blumen oder Schokolade ein geeignetes Mitbringsel sein können.

Die Geschäftsetikette in Südafrika ähnelt den im Westen üblichen Gewohnheiten stark. Die Erfolgschancen für den Aufbau eines Geschäfts oder einer Handelsbeziehung werden durch das Wissen um lokale Sitten und mögliche Sprachbarrieren gesteigert. Wenn Sie außerhalb der Hauptstädte in Gebieten tätig werden möchten, in denen Englisch und Afrikaans nicht so weit verbreitet sind, sollten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf kulturelle Werte, lokale Expertise und auch religiöse Praktiken richten, um sicherzustellen, dass Sie Ihrem Gastgeber mit dem notwendigen Respekt begegnen. Planen Sie das Treffen außerhalb nationaler Feiertage und bedenken Sie die vorgenannten Punkte sowie mögliche sprachliche Probleme – damit legen Sie den Grundstein für eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung schon vor dem ersten Treffen!

(ursprünglich auf www.transtrans.co.uk in englischer Sprache veröffentlicht)

Tagged: ,

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen