Nichtverbale Sprache

Nonverbale Sprache – Alternativen zur gesprochenen Sprache gibt es auf der ganzen Welt.

Nonverbale Sprache – Gesten und Zeichen

Wer Geschäfte auf der ganzen Welt betreibt, kennt diese komplexe Mischung aus kulturellem Verständnis, Sprachbarrieren und persönlichen Details, die unsere Aufmerksamkeit verlangen. Und selbst der beste Sprachkundler kann scheitern, wenn er die Menschen und ihre Sitten nicht versteht.

Dieser Fehler unterläuft aber nur jenen, die nicht über tiefgehendes kulturelles Verständnis verfügen und darüber hinaus glauben, dass alles, was zu Hause harmlos ist, auch im Ausland nicht falsch sein kann. Forschungen des iranisch-amerikanischen Psychologen Albert Mehrabian haben ergeben, dass Körpersprache und Gestik fünfzig Prozent unserer Kommunikation ausmachen, der Tonfall weitere achtunddreißig Prozent. Die gesprochenen Worte sind offenbar gar nicht so wichtig – daher müssen Sie alle drei Faktoren richtig einsetzen, um geschäftliche Erfolge feiern zu können.

Inglorious Basterds

Ein klassisches Beispiel: 2009 kam der Film ‘Inglorious Basterds‘ von Quentin Tarantino ins Kino.

Der Film enthält eine Szene, in der ein britischer Spion in einer deutschen Uniform nach seinem Akzent gefragt wird, den der deutsche Muttersprachler nicht richtig einzuordnen weiß. Er übersteht die peinliche Befragung durch geschicktes Bluffen und geht dann zur Bar, um drei Drinks zu bestellen. Dabei unterstreicht er seine Bestellung durch eine entsprechende Geste – und enttarnt sich damit selber durch seine Fingerhaltung. Dieses ihm unwichtig erscheinende Kommunikationsmittel hat für ihn fatale Folgen, weil er die lokalen Sitten nicht verstanden hatte und ihm nicht bewusst war, dass Gesten und andere Zeichen unterschiedlich verwendet werden.

Solch extreme Auswirkungen kommen heutzutage glücklicherweise nicht mehr häufig vor, man sollte sich aber bewusst sein, dass die Art und Weise, in der wir unsere Hände bewegen und unsere Füße ablegen, bei unserem Gegenüber ganz anders ankommen kann.

Hände

Sprache ohne Worte – auf der ganzen Welt

In der westlichen Kultur schütteln sich die Teilnehmer zu Beginn eines Meetings häufig die Hände, bevor sie am Verhandlungstisch Platz nehmen. In Asien hingegen könnte ein Händedruck als Ausdruck zu großer Nähe gelten, hier wird manchmal die Verbeugung vorgezogen. Im mittleren Osten kann der Handschlag auch bedeuten, dass nun eine ernsthafte geschäftliche Verhandlung beginnt.

Mit ausgestrecktem Finger auf eine Person zu zeigen, mag Ihnen als eine harmlose Methode erscheinen, um einen bestimmten Menschen in der Menge auszumachen. In China gilt dies jedoch als Beleidigung und in Italien wird man denken, mit dieser Person sei etwas nicht in Ordnung. Auf den Philippinen begehen Sie mit dieser Geste einen schlimmen Fauxpas, denn dort gilt sie ausschließlich den Hunden.

Wenn die Sprachkenntnisse nicht ausreichen, streckt man häufig den Daumen in die Höhe, um seine Zustimmung zu einer Vereinbarung auszudrücken. Diese Geste wird in Deutschland, dem Vereinigten Königreich, in Kanada oder Russland weithin als Zustimmung erkannt. In Südamerika, den Golfstaaten und in Teilen Afrikas hingegen hat sie die gleiche beleidigende Anmutung wie das Zeigen des Mittelfingers in der westlichen Welt. Ein ähnlicher Fall ist der „Zwei-Finger-Gruß“, der im Vereinigten Königreich und in Irland häufig als Zeichen von Respektlosigkeit eingesetzt wird, in den Vereinigten Staaten aber als Friedenssymbol galt.

Als Alternative zur zustimmenden “Daumen-nach-oben”-Geste, die beispielsweise in Amerika und Großbritannien gerne verwendet wird, bildet man häufig auch mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis („OK“), um Zustimmung und Zufriedenheit auszudrücken. In Griechenland, Spanien und Brasilien würde man aus dieser Bewegung jedoch negative Schlüsse ziehen, denn sie steht dort für einen nicht gesellschaftsfähigen Teil der Anatomie.

In den Vereinigten Staaten gilt es als akzeptabel, beim Besuch eines Rockkonzerts mit Zeigefinger und kleinem Finger ein Horn nachzubilden. In Teilen von Südamerika und Europa kann dies jedoch missverstanden werden, hier wird dies manchmal als ein Zeichen für Ehebruch oder Teufelsverehrung betrachtet.

Falls Sie zu den Menschen gehören, die sich auf Ihr Glück verlassen, wenn Sie im Ausland einen Konferenzraum betreten, sollten Sie vorsichtig sein, welche Geste Sie in welchem Land als Glücksbringer einsetzen. Im angelsächsischen Raum ist das Kreuzen der Finger gang und gäbe, in Vietnam jedoch würde dies als im höchsten Maße unangemessen angesehen, da diese Geste als Zeichen für das weibliche Geschlecht betrachtet wird.

Füße

In China gilt es als Zeichen schlechter Manieren, wenn der Fuß direkt auf das Gegenüber gerichtet ist. Beim Kreuzen der Beine sollten Sie daher darauf achten, dies in einem Winkel zu tun, bei dem das nicht geschieht. Während man sich in westlichen Ländern wenig Gedanken darüber macht, glaubt man in Ländern wie Malaysia, Thailand und der Türkei, dass man einem anderen Menschen nicht die Sohle des Schuhs zuwenden sollte, weil diese mit dem schmutzigen Boden in Berührung kommt. Sollte ein Geschäftsmann bei einem Meeting auf der Arabischen Halbinsel versehentlich die Unterseite seiner Schuhe zeigen, während er seine Beine über Kreuz legt, gilt dies als Beleidigung.

In Japan gilt das Überkreuzen der Beine als unhöflich, in Teilen des Mittleren Ostens und Südafrikas ist die Schuhsohle ein Zeichen für Pech oder Misstrauen.
Im Westen verbietet es die Etikette, die Füße auf den Tisch oder auf den Sitz in öffentlichen Verkehrsmitteln zu legen – dies gilt als negative und respektlose Handlung.

Kopf

Der Ausdruck von Zustimmung oder Ablehnung durch eine Kopfbewegung ist eine dezente nonverbale Geste. Die meisten Menschen nicken für ein „Ja“ und schütteln den Kopf für ein „Nein“ – in Ländern wie Bulgarien und Griechenland jedoch ist das umgekehrt.

Augen

Finnen und Japaner lassen Augenkontakt lieber erst dann zu, wenn die Unterhaltung sich bereits gut entwickelt hat. Spanier, Griechen und die Bevölkerung des Mittleren Ostens hingegen sehen das ganz anders – hier ist der Augenkontakt ein wichtiger Teil bei jedem Zusammentreffen.

Nase

Die Nase kann sehr unterschiedliche Bedeutungen haben. Wenn man sich im Vereinigten Königreich an die Nase tippt, kann das bedeuten, dass etwas geheim gehalten werden soll. In Italien gilt diese Geste Anderen als Warnung. In westlichen Ländern ist es salonfähig, sich die Nase mit einem Taschentuch zu putzen – in Japan wird diese Handlung missbilligt.

Arme

In Italien und den USA ist es allgemein üblich, wild mit den Armen zu gestikulieren, in einigen europäischen Ländern gilt dies als unaufrichtig und anmaßend. In Japan wird übertriebene Dramatisierung als unhöflich empfunden.

Um einen günstigen Eindruck zu hinterlassen, sollten Sie über umfassendes Wissen über lokale Gegebenheiten und regionale Körpersprache verfügen. Falls Ihr ausländischer Partner sich die Mühe macht, sich in Ihrer Sprache zu versuchen, wäre das eine schöne Gelegenheit, ihm mit angemessener nonverbaler Kommunikation zu danken.

(ursprünglich auf www.transtrans.co.uk in englischer Sprache veröffentlicht)

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