Geschäftsetikette in Südkorea

Der Balanceakt auf dem schmalen Grat des kulturellen Bewusstseins kann schwierig sein und es ist daher ratsam, sich durch die Geschäftsetikette Südkoreas leiten zu lassen.

 

Erste Eindrücke

Wenn Sie einem Team aus koreanischen Geschäftsleuten vorgestellt werden, sollte Ihr Auftreten professionell sein; dunkle Kleidung ist im Allgemeinen für eine solche Gelegenheit angemessen. Ähnlich wie in anderen asiatischen Ländern wird Wert auf Formalität gelegt, daher sollten Sie es vermeiden, durch zu enge Kleidung oder bunte Hemden den Eindruck von Lässigkeit zu erwecken.

Ohne die Vermittlung durch Dritte kann die Organisation eines Meetings eine äußerst komplexe Angelegenheit sein. Gute Beziehungen zwischen Unternehmen entstehen oft über Empfehlungen durch vertrauenswürdige Kontakte. Die Unterstützung durch die Botschaften der jeweiligen Länder ist beim Aufbau eines Netzwerks sehr hilfreich.

Die Pflege einer Geschäftsbeziehung erfordert langfristige Bemühungen. Koreanische Unternehmen werden sich jedoch erkenntlich zeigen, wenn ausländische Firmen den Willen zeigen, die gemeinsame Branche voranzubringen. Wenn Sie nicht in Korea ansässig sind, sollten Sie sich für den Besuch bei Ihren Kunden genügend Zeit nehmen. Koreaner schätzen es sehr, wenn man ihre Bedürfnisse beachtet und erwarten, dass Sie sich engagiert um die entstehende Geschäftsbeziehung bemühen.

Visitenkarten sind unverzichtbarer Teil eines jeden Meetings. Achten Sie darauf, die Karten äußerst respektvoll mit beiden Händen entgegenzunehmen! Die Visitenkarte gilt als Gesicht des Unternehmens und der Person, die das Geschäft mit Ihnen abschließt. Schreiben Sie niemals etwas auf die Visitenkarte, es sei denn, Ihr Geschäftspartner fordert Sie dazu auf. Eine Visitenkarte zu falten, gilt in Korea als völlig unangebracht. Halten Sie eine ausreichende Menge Ihrer eigenen Visitenkarten bereit und verteilen Sie diese an Ihre Kunden, sodass schon vor der Besprechung jeder Teilnehmer die Möglichkeit hat, die ranghöchste Person in der Runde zu identifizieren.

Die Vorstellung

Pünktlichkeit ist ein Zeichen für Professionalität und Sie sollten Ihre Partner stets telefonisch informieren, falls sich eine Verspätung abzeichnet. Natürlich kann auch der Gastgeber sich einmal verspäten. Die Verbeugung spielt in Südkorea keine so große Rolle wie in Japan oder China. Es ist jedoch ratsam, die näherkommende Delegation zu beobachten und sich an deren Verhalten zu orientieren. Eine kurze Verbeugung, gefolgt von einem sanften Händedruck, wird oftmals als angemessen angesehen. Halten Sie auf jeden Fall den Augenkontakt, um Integrität und Ehrlichkeit zu signalisieren. Ihre Verneigung sollte sich an den höchstgestellten Delegierten richten; ob dieser Ihnen anschließend die Hand reicht, bleibt alleine ihm überlassen.

Beim Aufbau von Geschäftsbeziehungen gelten Geschenke als positiv und erwünscht. Das Geschenk muss im Wert dem entsprechen, was Ihnen der Gastgeber beim ersten Zusammentreffen übergeben hat. Das Geschenkpapier sollten Sie niemals in Anwesenheit Ihrer Geschäftspartner entfernen. Teure Geschenke an Kunden sind problematisch, da diese dann verpflichtet sind, gleichermaßen hochpreisige Dinge zurückzugeben. Verschenken Sie niemals Dinge in Vierersets und vermeiden Sie rote Schrift, denn diese weckt die Assoziation von Tod, Pech oder der Beendigung von Beziehungen. Die Sieben gilt in Korea als Glückszahl – falls Sie also etwas Mehrteiliges verschenken möchten, wäre diese Anzahl höchst vorteilhaft.

Schreibtischzubehör und Andenken sind neutrale Geschenke, die gerne angenommen werden. Auch Spirituosen erfreuen sich großer Beliebtheit, sind aber kein geeignetes Geschenk für Frauen. Alle Aufmerksamkeiten sollten in hellem Geschenkpapier verpackt werden, z.B. gelbes, pinkfarbenes oder blaues, wobei Letzteres als Glücksbringer gilt. Verständnis für die Farbkultur und deren Symbolismus ist für jeden, der in Südkorea Geschäfte machen möchte, unverzichtbar! Weitere Informationen hierzu finden Sie in unseren Farbempfehlungen für Südkorea.

Sobald regelmäßige Meetings zwischen Geschäftspartnern abgehalten werden, besteht keine weitere Verpflichtung, Geschenke zu überreichen, es sei denn, die Termine finden an einem besonderen nationalen Feiertag oder Kirchenfest statt.

Sitzordnung

Das Betreten eines Konferenzraums mag Ihnen alltäglich vorkommen – für Südkoreaner muss aber der ranghöchste Gastgeber der Erste sein, der den Raum betritt. Auch ist es üblich, dass die Anwesenden ihre Anzugjacken erst dann ablegen, wenn der Höchstgestellte dies seinerseits getan hat, sei es auch noch so warm.

Anders als in anderen asiatischen Ländern platziert man in Südkorea die jeweils ranghöchsten Personen nicht an entgegengesetzten Tischenden: die Plätze in der Mitte, von denen aus mit allen anderen Gespräche geführt werden können, werden als die beste Wahl betrachtet.

Die Besprechung

Das erste Treffen mit koreanischen Geschäftsleuten dient meist weniger der Geschäftsentwicklung, sondern dem Aufbau von Vertrauen. Auch wenn dies unkonventionell erscheint, sollte trotzdem das formelle Wesen des Meetings beibehalten werden, falls keine anderweitigen Anweisungen gegeben werden. Der Aufbau einer Beziehung ist ein wesentlicher Aspekt der Geschäftsanbahnung und sollte niemals unterschätzt werden. Die anschließenden Gespräche helfen dabei, die Bedürfnisse beider Unternehmen zu klären und Wege für eine Zusammenarbeit zu entwickeln.

Zweisprachige Dokumente, die auch in koreanischer Sprache erklären, was Ihr Unternehmen plant, können die Geschäftsbeziehung fördern. Hochwertige Übersetzungen symbolisieren ein hohes Maß an Interesse an den Bedürfnissen des Kunden und sind ein Zeichen Ihrer Absicht, langfristig in der jeweiligen Branche tätig zu sein.

Verhandlungen erfordern zahlreiche Kompromisse von beiden Parteien. Neulinge sollten in Südkorea nicht versuchen, die Anfangsphasen einer Diskussion als schnelle Mittel zum Geschäftsabschluss nutzen zu wollen. Eine entschlossene und konsequente Haltung in Bezug auf einen Vertragsabschluss wird bewundert, aggressives Vorgehen oder das Drängen auf einen Abschluss jedoch mit Stirnrunzeln belohnt. Augenkontakt gilt als Zeichen ehrlicher Absichten, manche Koreaner scheuen ihn dennoch aus traditionellem Respekt für den Dienstrang.

Am Ende des Gesprächs ist die Körpersprache ein Indikator für den Verlauf des Meetings: eine tiefe Verneigung zum Abschied kann Zufriedenheit über die erzielten Fortschritte ausdrücken, während ein kurzes, knappes Kopfnicken das Gegenteil bedeutet. Es ist sinnvoll, der Delegation innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens eine Zusammenfassung des Gesprächs zu schicken, zusammen mit einem Ausblick auf künftige Treffen.

Das Arbeitsessen

Ein solches Ereignis ist normalerweise gut organisiert, es ist daher sinnvoll, die Teilnahme zu bestätigen oder den Gastgeber über weitere für diesen Abend geplante Verabredungen zu informieren. Bei Ankunft im Restaurant warten Sie am besten ab, bis der Gastgeber Ihnen einen Platz zuweist. Geschätzte Gäste werden normalerweise in der Mitte platziert, gegenüber von ihren gleichrangigen Geschäftspartnern, und mit der Möglichkeit, mit allen Anwesenden ein Gespräch zu führen. In manchen Lokalen muss man die Schuhe ausziehen und auf dem Boden sitzen – in einem solchen Umfeld ist es äußerst wichtig, dass Füße und Socken vorzeigbar sind!

Es ist immer ratsam, sich nach der ranghöchsten Person zu richten, denn das Protokoll schreibt vor, dass diese als Erste von ihrem Essen kostet. Die Mahlzeit wird häufig schweigend eingenommen, was Sie aber nicht als unangenehme Stille werten sollte. Falls man Ihnen eine Frage stellt, beantworten Sie diese möglichst präzise und knapp. Essstäbchen sind das einzige Esswerkzeug und sollten während der Mahlzeit nicht auf dem Tisch abgelegt werden. Das schmale Ende (mit dem Sie die Speisen zum Mund führen) sollte nach Beendigung des Mahls immer über den Tellerrand hinausragen bzw. auf den kleinen Bänkchen abgelegt werden, die man in manchen Restaurants vorfindet.

Essstäbchen sollten niemals über die Reisschüssel gehalten werden. Auch ist es keine gute Idee, den Teller zur Erleichterung des Verzehrs an den Mund zu führen – wenn allerdings die Esstechnik mit Stäbchen noch nicht vollkommen ist, sollte man sich weiter nach vorne beugen. Bei den Getränken ist Selbstbedienung selten; sollte das Glas Ihres Sitznachbarn um mehr als die Hälfte geleert sein, sollten Sie ihm höflicherweise anbieten, es nachzufüllen. Diese Geste wird von anderen wechselseitig erwidert. Wenn die ranghöchste Person ein weiteres Getränk möchte, sollten Sie in Anerkennung der Stellung des Anderen beim Eingießen Ihren Ellbogen mit der anderen Hand abstützen.

Die Bezahlung der Rechnung ist normalerweise Angelegenheit der Person, die die Einladung ausgesprochen hat, ein leichtes Insistieren auf Kostenübernahme ist jedoch ein höfliches Mittel, Vertrauen zu entwickeln.

Da neben den traditionellen koreanischen Bräuchen auch westliche Einflüsse das Verhalten beeinflussen, kann es schwierig sein, auf dem schmalen Grat des kulturellen Bewusstseins zu wandeln. Es ist daher höchst ratsam, das Verhalten der Anderen nachzuahmen. Im Zweifelsfall ist ein zurückhaltendes und höfliches Verhalten immer willkommen.

(ursprünglich auf www.transtrans.co.uk in englischer Sprache veröffentlicht)

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