Farbempfehlungen | Japan

Mit einer Bevölkerung von mehr als einhundertsiebenundzwanzig Millionen gedeiht die japanische Kultur durch starke interne Werte, aber auch durch moderne Einflüsse aus den Nachbarländern und Amerika. Die bildende Kunst beschäftigt sich nicht nur mit der Erschaffung von phantastischen Gemälden, architektonischen Werken und Kalligraphie, sondern auch mit der Einbeziehung von bestimmten Farben, die den Werken eine tiefere Bedeutung verleihen.

In der frühesten Periode der japanischen Geschichte, ungefähr im Asuka-Zeitalter (538-710), dienten Farben dazu, den sozialen Status einer Person oder ihre Rolle innerhalb der Regierung darzustellen. Zu dieser Zeit war rangniedrigen Personen das Tragen mancher Farben – wie Purpur oder Blau – gemäß der hierarchischen Ordnung nicht erlaubt. Andere Farben waren ihnen gestattet, besonders die Farbe Schwarz durfte jedermann ungeachtet seines Standes tragen. Diese Farben wurden nach Pflanzen, Vögeln oder Tieren benannt, mit denen sie große Ähnlichkeit hatten.

Trotz des Eindringens äußerer Einflüsse und dem Aufkommen wirtschaftlicher Interessen blieb die Bedeutung der Farben in der Gesellschaft fest in der bildenden Kunst verwurzelt, wodurch sich traditionelle Sitten entwickelten, mit denen bestimmte Auslegungsweisen wiederbelebt und nationale Werte bewahrt werden sollen.

 

Rot  

In der frühen japanischen Geschichte haben viele Gelehrte über das Land der aufgehenden Sonne und die intensive Morgenröte berichtet, die als Symbol für den neuen Tag und für die Vitalität gelten, die ein gut ausgeruhter Körper nach der Nachtruhe ausstrahlt, ebenso für die Lebenskraft, die wir alle zum Überleben benötigen. Rot ist eine Farbe, die viele Abstufungen der Leuchtkraft enthält, welche im Laufe der Jahrhunderte Namen erhielten und klassifiziert wurden. Rot gepaart mit Weiß nimmt bei Festen oder in feierlichen Momenten eine herausragende Stellung ein.

 

Weiß

Die Farbe wird oftmals mit dem Begriff der Reinigung in Verbindung gebracht und hat in Japan eine ähnliche Bedeutung wie im Westen, wenn es um Heirat und Religion geht. Unter bestimmten Umständen kann sie auch für den Tod stehen, wenn sie gemeinsam mit Schwarz verwendet wird. In der Shinto-Religion trägt die Braut bei der Hochzeit Weiß, um das Ende ihres Familiennamens und den Beginn eines neuen zu darzustellen. Bei Hochzeiten kommt Rot häufig zum Einsatz, da es sich um feierliche und lebensbejahende Veranstaltungen handelt.


Gelb

Auf der Vorderseite von japanischen Pässen findet man eine gelbe Chrysantheme, abgeleitet vom Emblem des Kaisers. Die (wörtlich aus dem Griechischen übersetzt) „Goldene Blume“ war im Jahr 1357 während des Kriegs der Dynastien ein Symbol des Muts, denn die Soldaten steckten sich eine solche Blume an, bevor sie auf das Schlachtfeld zogen. Zusätzlich zu dem Gefühl des Heldenmuts, das durch diese Farbe hervorgerufen wird, soll die Chrysantheme auch der Shinto-Göttin Amaterasu ähneln, die als früheste Ahnin der königlichen Familie betrachtet wurde.

 

Blau

Die Farbe des umgebenden Wassers ist ein Symbol für das Leben und die Reinheit durch Säuberung und Bewässerung. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Auslegungen und westliche Überzeugungen zu dieser Farbe, im Allgemeinen wird dieser Farbton jedoch mit Gefühlen von Stabilität, Friedlichkeit und Loyalität verbunden.

In jüngerer Zeit wurde die Farbe aufgrund des Einflusses der Medien auch mit Begriffen wie Einsamkeit und Zurückgezogenheit assoziiert, auch gibt es in zunehmendem Maße eine Verbindung zum Konzept der Jugendlichkeit. Universitätsstudenten greifen daher gerne auf die Farbe Indigoblau zurück, wenn sie zu einem Vorstellungsgespräch bei möglichen Arbeitgebern eingeladen sind; andere, ähnliche Farbabstufungen werden häufig von Büroangestellten getragen.

 

Grün

Historisch betrachtet war Grün keine unabhängige Farbe, sondern wurde als Ableger der Farbe Blau betrachtet. Grün ist ein Symbol für die Natur und wird von den Japanern am 29. April am „Tag des Grüns“ geehrt. An diesem Tag werden durch den Ausdruck von Wertschätzung und Liebe zur Umwelt die Natur und das Leben gefeiert.

 

Schwarz

Schwarz steht in enger Beziehung zu den Begriffen Tod, Leid und Zerstörung. Als Gegensatz zu Weiß erweckt die Farbe die Vorstellung von überwältigender Dunkelheit und den Geheimnissen der Nacht. Ähnlich wie im Westen wird Schwarz mit Beerdigungen und Zeiten der Trauer in Verbindung gebracht. Eine weitere mögliche Assoziation ist die weibliche Energie, da Schwarz in Kleidung oder Dekoration als provokativ und verführerisch verstanden werden kann. Mit zunehmendem westlichem Einfluss werden formelle Abendessen, bei denen schwarze Krawatten getragen werden, oftmals mit anderen Augen betrachtet und wecken keine negativen Assoziationen.

Wenn Sie die Absicht haben, Ihre Produkte nach Japan zu exportieren, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass Farben hier im Vergleich zum Westen stärkere Grundtöne haben. Möchten Sie diesen in Markenlogos oder –produkten verwenden, sollten Sie über Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten und ein gewisses Maß an historischem Verständnis verfügen, da der Einsatz einer falschen Farbe leicht missverstanden werden könnte. In diesem Blog finden Sie auch einen aufschlussreichen Ratgeber zur Geschäftsetikette in Japan.

 

Ein paar Worte zu Blumen

Wenn man über Farben spricht, kommt man um Blumen nicht herum, denn sie sind als Sinnbild von Gesundheit und Vitalität fester Bestandteil der japanischen Kultur. Die Chrysantheme wird als starke Pflanze eingeschätzt, weil sie ihre Blütenblätter eins nach dem anderen abwirft, bevor diese absterben. Dies gilt als Symbol für disziplinierte Stärke, anders als bei der Rose, deren Blütenblätter sich gänzlich vom Stiel ablösen. Sehr beliebt sind auch die Blüten der Sakura-Kirsche sowie andere Kirschblüten, deren pinke Farbe von Männern und Frauen gleichermaßen geschätzt wird.

Eine große Menge an Blüten steht für Langlebigkeit und wird gerne als Glücksbringer verschenkt. In der japanischen Kultur gelten weiße Blumen als Trauerpflanzen und sollten daher vermieden werden. Ein lokaler Aberglaube besagt, dass Topfpflanzen Krankheit verursachen können, weil deren japanischer Name („Nezuku“) dem Begriff für Bettlägerigkeit („Netsuku“) zu ähnlich ist.

Wenn Sie Blumen verschenken möchten, achten Sie bitte darauf, die richtige Farb- und Stilkombination auszuwählen und stellen Sie sicher, dass der Strauß keinesfalls vier, neun oder dreizehn Blumen enthält, denn diese Zahlen werden häufig als Unglücksboten betrachtet und als Anspielung auf Tod und Qual missverstanden. Die Angst vor der Zahl Dreizehn wurde aus dem Westen importiert, Sie sollten sie aber trotzdem vermeiden, wenn Sie ihre Blumenbestellung aufgeben.

(ursprünglich auf www.brandsandborders.com in englischer Sprache veröffentlicht)

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